Die Funktion der neuen Vierungsorgeln

Prof. Gerhard Walterskirchen, Musikwissenschafter  Bereits 1628, zum Zeitpunkt der Weihe des Domes, waren an den östlichen Kuppelpfeilern "zwei wohlgezierte Orgeln" angebracht, im Zuge der Ausstattung des Domes erhielten nach 1640 auch die westlichen Emporen jeweils eine Orgel - kleine einmanualige Werke, die für Continuopraxis und pianospiel disponiert waren. 

Entsprechend der mehrchörigen Praxis wurde in Oberitalien auch das Spiel an zwei Orgeln gepflegt: Zu San Marco in Venedig, wo seit dem Ende des 15. Jahrhunderts zwei Orgeln im Einsatz waren, wirkten mit Girolamo Diruta, Claudio Merulo und Andrea Gabrieli die bedeutendsten Organisten der Zeit. Neben Venedig gewann die Musik für zwei Orgeln am Dom zu Mailand und auch nördlich der Alpen besonderes Format. 

Wenn in Salzburg auch dezidiert keine Musik für zwei Orgeln im Archiv der Dommusik erhalten ist: Die überlieferten "Canzoni per ogni sorte d"instrumenti" geben einen deutlichen Hinweis auf dieses klanglich besonders attraktive Musizieren. 

Gegen Ende des 17. Jahrhunderts wurden die beiden östlichen Pfeilerorgeln im Dom zu zweimanualigen Instrumenten erweitert: Die sogenannte Hoforgel beim Altar rechter Hand erhielt 14 Register, die ihr gegenüberliegende "Heilig Geist-Orgel" 13 Stimmen. An der Hoforgel wirkten, in der Funktion des Hoforganisten, so bedeutende Musiker wie Carl van Houven († 1661), Georg Muffat (1678-1690), Johann Ernst Eberlin (1726-1749), Anton Cajetan Adlgasser (1750-1777), W. A. Mozart 81779-1781) und Johann Michael Haydn (1782-1806). 

Sie haben Werke für das liturgische und das konzertante Orgelspiel hinterlassen, z. T. in ihre Meß- und Vesperkompositionen die Orgel auch als konzertierendes Instrument aufgenommen - W. A. Mozart beispielsweise in der "Orgelsolo-Messe" KV 259. der Vesper KV 321 und den Kirchensonaten, Michael Haydn in mindestens dreißig seiner Kirchenkompositionen. Dennoch wurden 1859, im Zuge der Renovierung des Domes, die barocken Emporen und Orgeln abgetragen. Im Jahr 1988 erhielt Orgelbaumeister Johann Pirchner auch Steinach/Tirol den Auftrag zum Neubau der beiden östlichen Kuppelorgeln. Sie sollten als rein mechanische zweimanualige Werke wiedererrichtet werden, die größere der beiden Orgeln jedoch in der Funktion der Chororgel auch zur Führung des Gemeindegesanges geeignet sein und daher einen Manualumfang von C - d3 und einen Pedalumfang von C - d1 erhalten, die gegenüberliegende Orgel dagegen mit kurzer großer Oktave in Manual und Pedal eingerichtet werden. Beide Werke verfügen über je 14 Register auf zwei Manualen und Pedal.

+ Ein Gewinn für die Liturgie

+ Musizieren wie zu Mozarts Zeit

+ Die Harmonie der Orgeln mit der Architektur